Hamburg soll Fahrradstadt werden. Der FUSS e.V. Hamburg begrüßt es, dass nach jahrzehntelanger Planung um und für das Auto in unserer Stadt ein Perspektivenwechsel hin zu mehr Nachhaltigkeit und Lebensqualität in der Stadt stattfindet. Aktive Mobilität, wie das Zufußgehen und das Fahrradfahren, ist emissionsarm und damit umwelt- und klimafreundlich, sie trägt zu Gesundheit und Wohlbefinden bei, und sie belebt die Stadt.

Radverkehrsförderung sollte aber den Schutz der Zufußgehenden nie aus den Augen verlieren. Fußgänger sind die verletzlichsten Verkehrsteilnehmer und verdienen besondere Rücksicht. Der FUSS e.V. Hamburg ist deshalb gegen die gemeinsame Führung des Fuß- und des Radverkehrs auf dem Hochbord. Das betrifft gemeinsame Geh- und Radwege, Gehwege mit „Fahrrad frei“-Zeichen und zum großen Teil auch Radwege, wenn sie in Mindestbreite direkt neben den Gehwegen angeordnet sind. Radfahrer gehören auf die Fahrbahn.

Wir haben diese Konflikte in einem Statement zusammengefasst:
Wir FußgängerInnen mögen keine Radwege auf dem Gehweg weil... (PDF)

So nicht! Neuer Radweg in der Stresemannstraße (Foto: Sonja Tesch)

Das Radverkehrsvolumen steigt in Hamburg stetig an. Durch die Radverkehrsförderung wird sich diese Tendenz noch verstärken. Zudem sind Radfahrer durch verschiedene Technologien, insbesondere dem Trend zum eBike, teilweise mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs. Diese Radfahrer überholen dann langsamere Radler, und dabei passiert es nicht selten, dass auf den Gehweg ausgewichen wird und dort Fußgänger knapp passiert werden. Das ist für die Fußgänger im besten Fall unangenehm, oft aber wirklich gefährlich.

Ein zweiter Grund ist die Erweiterung der Rad­verkehrs­infra­struktur in der Zukunft. Bei weiter steigendem Radverkehrsaufkommen sollten Rad­verkehrs­anlagen entsprechend erweitert werden. Liegen diese auf dem Hochbord, kann das nur zulasten der Gehwege oder des Stadtgrüns gehen. Es darf nicht sein, dass Radverkehrsförderung zulasten der nachhaltigsten Form der Mobilität geht. Die Verlegung des Radverkehrs auf die Fahrbahn ist daher die einzig richtige Lösung – übrigens
auch für die Sicherheit der Radfahrer.

So mögen wir es! Radstreifen im Neuen Kamp (Foto: Sonja Tesch)

Leider erleben wir in Hamburg gerade, dass viele Radfahrer auf den Gehwegen fahren, selbst dort, wo keine Radwege sind. Teilweise hat sich das durch jahrelange Gewohnheit etabliert, denn Radfahrer sind in den letzten Jahrzehnten in die sogenannten „Nebenflächen“ verdrängt worden, wo handtuchbreite Radwege auf Kosten der Gehwege eingerichtet wurden. Teilweise liegt es auch daran, dass Radfahrende Angst vor dem Fahren auf der Fahrbahn haben. Viele Radfahrer nutzen die Gehwege zudem, um linksseitig zu fahren, was sie sich auf der Fahrbahn nicht trauen würden, oder um Kopfsteinpflaster zu vermeiden. Auf dem Gehweg zu fahren, ist aber keine akzeptable Lösung, denn der Geschwindigkeitsunterschied zwischen Radfahrern und Fußgängern ist hoch – er ist proportional zu dem zwischen Autofahrern und Radfahrern.

Zudem herrscht im Verkehr allgemein ein zunehmend aggressives Klima, auch auf den Gehwegen. Nicht selten werden Fußgänger „weggeklingelt“ oder mit hohen Geschwindigkeiten passiert, wo das Radfahren nicht einmal erlaubt ist.

Wir fordern:

Aus diesem Grund brauchen wir auf den Gehwegen effektive Polizei-Kontrollen. In Fahrradstädten wie zum Beispiel Münster gibt es eine Fahrradstaffel der Polizei, die ständig kontrolliert und sanktioniert und damit auch informiert, denn oft kennen die Verkehrsteilnehmer die Regeln gar nicht. Die derzeitige Praxis in Hamburg, beide Augen zuzudrücken, fördert ein Klima der Rücksichtslosigkeit, das es vielen Menschen verleidet, sich im öffentlichen Raum aufzuhalten.

Gehwege sollten für den Fußverkehr, zum Gehen und Verweilen, zum Spielen und zum Klönen genutzt werden können. Rollstuhlfahrer und Menschen, die einen Rollator benutzen, sollten überall komfortabel hingelangen können, ohne an den Bordsteinabsenkungen und Rampen von Radlern abgedrängt zu werden. Menschen mit eingeschränkten Sinneswahrnehmungen sollten auf den Gehwegen in Ruhe fortkommen, ohne damit rechnen zu müssen, dass ein Fahrradfahrer von hinten an ihnen vorbeischießen könnte. Von Kindern sollte man auf dem Gehweg nicht verlangen, dass sie den Schulterblick üben, bevor sie sich von der sicheren Hauswand gen Mitte des Gehweges bewegen. Schließlich sollten Menschen auch zu zweit nebeneinander gehen und sich unterhalten können. Während dem Radverkehr auf der Fahrbahn eine angemessene Fläche zur Verfügung gestellt wird, sollten Radwege zurückgebaut und die Fläche wieder ausschließlich den Fußgängern zur Verfügung gestellt werden. Fußverkehr belebt die Stadt und braucht einen geschützten Raum.