Woran erkennt man die Lebensqualität einer Stadt?
„Der Grad der Freiheit und Ungestörtheit, mit dem Menschen zu Fuß gehen und in die Gegend schauen können, bietet einen guten Maßstab für die Beurteilung der zivilisatorischen Eigenschaften eines Stadtgebiets.“ Das schrieb der britische Stadtplaner Colin Buchanan bereits 1964 in dem Buch „Verkehr in Städten“.

Heute sagt der Kopenhagener Städteplaner Jan Gehl: „Schauen Sie, wie viele Kinder und alte Menschen auf Straßen und Plätzen unterwegs sind!" Hamburg schneidet da nicht gut ab.

Hamburgs Fußwege sind oft sehr schmal, Familien gehen im Gänsemarsch hintereinander her und Entgegenkommenden auszuweichen wird aus Platzgründen schnell zum kleinen Problem – mit Regenschirm zum größeren.

Zudem werden diese Gehwege ganz legal und politisch gewollt auch von Menschen mit sogenannten "besonderen Fortbewegungsmitteln" genutzt.

Beispielsweise von Kindern ( bis zum 8. Lebensjahr) auf Fahrrädern mit erwachsenen Begleitpersonen ( ab 16. Lebensjahr), sowie von Kindern mit Gokarts, Dreirädern, Laufrädern, Tretrollern, Kindermotorrädern. Hinzu kommen bei den Älteren Skateboards, Waveboards, Inlineskater etc.

Auch Menschen mit Rollatoren und Rollstühlen sind auf die Gehwege angewiesen. Seit einiger Zeit gibt es sogenannte Elektromobile, die ebenfalls den Fußweg nutzen dürfen, solange sie nicht schneller als 6 km/h fahren, was noch als Schrittgeschwindigkeit gilt, aber auch kaum zu kontrollieren ist. Zurzeit läuft in Hamburg sogar ein Versuch mit der Paketzustellung durch Roboter, die ebenfalls den Fußweg nutzen sollen.

Das Problem: Zum einen sind die Fußwege oft viel zu schmal für diese vielfältige Nutzung, zum anderen müssen sich Fußgänger darauf einstellen, von Fahrzeugen, die schneller sind als sie selbst, von hinten überholt zu werden. (Die Alltagsgeschwindigkeit eines Fußgängers liegt zwischen 2,9 und 5 km/h, ein behinderter Mensch ist evtl. deutlich langsamer).

Ein weiteres Problem: Für keine der genannten Nutzergruppen besteht die Verpflichtung zum Abschluss einer Haftpflichtversicherung, sodass ein Geschädigter möglicherweise für alle Kosten und Folgekosten eines Unfalls selber aufkommen muss. Die Konsequenzen der durch „besondere Fortbewegungsmittel“ bedingten Unfälle auf dem Fußweg sind glücklicherweise häufig nicht so gravierend, dass die Polizei eingeschaltet wird. Das führt allerdings gleichzeitig auch dazu, dass das Ausmaß des Problems für Fußgänger in der Öffentlichkeit und Verkehrspolitik nicht ausreichend deutlich wird.

Falls Sie selbst betroffen sein sollten, wenden Sie sich deshalb bitte gerne an uns.

Unsere bisherigen Aktivitäten dazu:

Wir haben einen Leserbrief zu dem Versuch der paketzustellenden Roboter geschrieben:
Leserbrief zu Robotern (PDF)